Nie im Ring zu Boden gegangen

Datum: 25. Januar 2005

Originaltext aus der „Märkischen“

BOXEN / LOTHAR LATZKE IST SEIT 38 JAHREN MIT DEM FAUSTKAMPF ALS SPORTLER UND TRAINER VERBUNDEN

JEAN GSTREIN

„Es ist für mich eine besondere Freude zu sehen, dass seit einiger Zeit sehr viele Veltener Jungs den Weg zum Boxen finden“, so Lothar Latzke. „Ich denke, das ist die Resonanz auf viele Jahre Arbeit und Erfolge“, erklärt der Trainer des Boxclubs.

Er selbst hat mit zehn Jahren in Neustadt-Glewe (Mecklenburg-Vorpommern) zum Boxen durch seine Bruder gefunden. „Die Faszination besteht darin, dass es eine Einzelsportart ist.“ Jeder muss seine Leistung bringen, unabhängig von Mannschaftskameraden oder externen Einflüssen. Und Latzke brachte seine Leistung in mehr als 100 Kämpfen. Bis die Familie 1972 nach Hennigsdorf zog, wurde er jeweils dreimal Schweriner Bezirksmeister und Spartakiade-Sieger, trat bei den DDR-Meisterschaften an und konnte dort mit 14Jahren Bronze gewinnen. „Nachdem wir in Hennigsdorf angekommen sind, ging es bei Stahl nahtlos weiter“, so der 48-Jährige. Abermals die Bezirksmeisterschaft und die Teilnahme an den nationalen Titelkämpfen standen auf der Haben-Seite, wobei die Nervosität nach den vielen Meisterschaften nie abnahm. „Nervös ist man immer, nur dass die Turniere mehr und mehr ein Treffen von alten Bekannten wurden“, so der gelernte Instandhaltungsmechaniker. Während der Armeezeit absolvierte Latzke seinen letzten Kampf. „Zwölf Jahre reichen“, erläutert Latzke, der nie zu Boden gegangen war, über seine Beweggrüde.

Völlig von seiner Sportart lassen konnte er aber nicht. Eher zufällig begann dann die Trainer-Laufbahn. Im Hennigsdorfer Fitnessstudio La Santa fragte der Chef, ob er nicht Boxkurse geben wollte. Selbstverständlich fiel seine Antwort positiv aus und er trainierte dort auch seinen Neffen Rene Latzke. „Er hat sich sportlich gut entwickelt, konnte einmal Silber und Bronze bei den A-Meisterschaften holen“, freut sich der Trainer. Erst als Rene zum Veltener Boxclub gegangen ist, folgte ihm sein Trainer. Es folgten zeitweise schwierige Jahre. Durch personelle Rückschläge musste Latzke in der Ofenstadt bei null anfangen und es ging nur Schritt für Schritt vorwärts. „Erst allmählich kamen immer weitere Boxwillige hinzu und wir haben schon mehrere Landesmeister und einen Medaillengewinner bei den deutschen Meisterschaften, Daniel Brünion, im Verein“, so Cheftrainer Latzke. Er wird im Training durch Jürgen Jagdmann, Thomas Rau und Alexej Tscherepanow unterstützt. Trainiert wird dreimal die Woche, montags, dienstags und freitags, jeweils ab 18 Uhr in der Rathaus-Halle. „Wobei wir uns über jeden Interessierten freuen“, so der B-Lizenz-Inhaber, der mit dem Vorurteil aufräumt, dass Boxen im Amateurbereich gefährlich ist. „Unser Amateurboxen ist mit den Bildern des Profibereichs nicht vergleichbar. Während dort das Geschäft an erster Stelle steht, rangiert bei uns die Gesundheit“, so Latzke.

So viel Herzblut sowie Engagement für „seine“ Sportart und der Bemühung um den Nachwuchs ist auch den Veltenern Stadtoberen nicht entgangen. Beim Neujahrsempfang zeichneten sie den Sportler für sein Ehrenamt aus.

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